Die Ausstrahlung der RTL-Undercover-Enthüllung durch das Team Wallraff zu zwei deutschen Waldorfschulen und einem Waldorf-Lehrerseminar hat dem System der anthroposophischen Schönrednerei den Boden unter den Füßen weggezogen. Inmitten dieser medialen Zäsur steht auch das ZEBRA – Netzwerk Waldorfkritik und unser neuer Verein in Gründung: Nicht nur wird in der Sendung auf ihn verwiesen, es kommen auch mehrere Personen aus unserem Gründungsteam zu Wort. Was die Undercover-Kameras hinter den Türen von Waldorfeinrichtungen dokumentieren, lässt von der vielbeschworenen pädagogischen Idylle wenig übrig – und wirft Fragen auf, die weit über die zwei gefilmten Schulen hinausreichen.
Während die öffentlich-rechtlichen und großen Medienhäuser immer wieder über konkrete Vorfälle sowie bekannte Kritik- und Diskussionsfelder an anthroposophischen Einrichtungen und Waldorfschulen berichten, tut man sich mit der Überleitung zu systemischen Missständen häufig schwerer. Nun zeigte das RTL-Abendprogramm in der Sendung #Wallraffen vom 24.08.2026 ungeschönt die Realität hinter den bunt bemalten Klassenzimmern – und zog ein Fazit, das nicht bloß auf isolierte Einzelfälle schließen lässt.
Dass in diesem alarmierenden RTL-Beitrag das ZEBRA – Netzwerk Waldorfkritik mit der Redaktion kooperierte, mehrere der Mitbegründer:innen als zentrale Schlüsselzeug:innen zu Wort kamen und die Website unseres Netzwerks als zentrale Anlauf- und Hilfestelle für Betroffene eingeblendet wurde, ist mehr als eine Randerwähnung – es ist nicht nur die offizielle Anerkennung unserer Betroffeneninitiative und Aufklärungsarbeit, sondern der Beginn unseres Einsatzes als ersten explizit anthroposophie-, reformschul- und waldorfkritischen Vereins Deutschlands (derzeit noch in Gründung).
Die Mauer des Schweigens, mit der sich die Anthroposoph:innen erfahrungsgemäß gerne gegen Kritik immunisieren, ist hier vor laufender Kamera kollabiert. Seit Ausstrahlung glühen die Social-Media-Kanäle – nach den Reaktionen auf das jüngste Videoessay von „2 Bored Guys“ vom 26. Juli 2026, das innerhalb kürzester Zeit über 1,6 Millionen Aufrufe erreichte, folgt nun die enthüllende Undercover-Wallraff-Recherche und entfacht eine breite Debatte über Missstände an Waldorfschulen. Die mediale Welle löst bereits jetzt signifikante öffentliche Reaktionen aus, forciert Recherchen, Anfragen und einen Ansturm auf ZEBRA – Netzwerk Waldorfkritik – und setzt die betroffenen Schulen ebenso wie den Bund der Freien Waldorfschulen und die Aufsichtsbehörden unter Druck, Untersuchungen, Konsequenzen und Reformen bezüglich Unterrichtsqualität und Schutzkonzepten sowie zwecks Aufarbeitung der gezeigten Missstände einzuleiten.
Reporterin Undercover: Kontrollverlust und mangelnde Lehrqualität im Schulalltag
All dies zeigt überdeutlich: Der Leidensdruck zahlreicher betroffener Eltern, ehemaliger Schüler:innen und unzufriedener Lehrkräfte ist erheblich, und das Vertrauen in die vermeintliche Idylle bröckelt nachhaltig. Die Undercover-Recherchen wurden dabei von Reporterin Antonia durchgeführt, die selbst einst Waldorfschülerin war, ihre eigene Schulzeit hier kritisch reflektiert und sich dem System nun aus einer ganz persönlichen und gleichzeitig professionell-distanzierten Innensperspektive nähert. Antonia führte im Rahmen der Sendung gleich zwei verdeckte Einsätze als von der Redaktion eingeschleuste Praktikantin durch: an einer Freien Waldorfschule in Rheinland-Pfalz sowie an einer Waldorfschule in Sachsen. Ihre dabei gewonnenen Erkenntnisse brechen mit der ohnehin bröckelnden Fassade einer harmonischen, fürsorglichen und kindgerechten Alternativpädagogik und legen fundamentale Schieflagen mit struktureller Dimension offen.
Die verdeckten Aufnahmen aus den Klassenzimmern zeichnen immer wieder ein erschütterndes Bild: Sie dokumentieren erhebliche Defizite bei Unterrichtsqualität, Professionalität und Aufsichtspflicht. Besonders die Szenen an der Waldorfschule in Rheinland-Pfalz werfen zudem nicht nur grundlegende Fragen nach der Qualifikation von Lehrkräften und Unterrichtsqualität, sondern auch der Sicherheit der anvertrauten Schüler:innen auf.
Neben der Unterrichtsrealität beleuchtete die Reportage auch repressives Vorgehen gegen Kritik aus den eigenen Reihen sowie die Illusion der vielbeschworenen Leistungsnachweise. Exemplarisch dafür steht der Fall der betroffenen Eltern und ZEBRA-Mitbegründer, deren Kritik am schulischen Umgang der Waldorfschule Mainz mit der chronischen Erkrankung ihrer Kinder durch Stellungnahmen eines Facharztes und des Antidiskriminierungsbüros RLP gestützt wurde. Der Konflikt eskalierte schließlich bis zu einer schockierenden Jugendamtsmeldung, zu der die Sendung die betroffenen Eltern am Ende zu Wort kommen lässt. Was sie berichten, lässt uns sprachlos zurück – ebenso wie weitere Szenen aus Antonias Recherche.
Skurrile Esoterik an Lehrerseminar und Schule
Reporterin Antonia führt ihre Recherchen unter anderem an das Waldorf-Lehrerseminar in Dresden, wo angehende Pädagoginnen und Pädagogen auf ihre Arbeit vorbereitet werden. Was dort dokumentiert wird, spottet jedem wissenschaftlichen und modernen Bildungsstandard. Statt fundierter Didaktik und Methodik werden den künftigen Lehrkräften am Dresdner Lehrerseminar skurrile esoterische Rituale vermittelt. In absurden Szenen müssen Erwachsene etwa im Kreis laufen und endlose Wortfolgen und vermeintliche Zaubersprüche wie das rhythmisch wiederholte Aufsagen von „Abrakadabra“ – „Ebrekedebre“ usw. praktizieren. Ausbilder:innen arbeiten konsequent mit diffusen „Seelenbildern“, während professionelles Handwerkszeug für den Schulalltag bei diesen Bildern auf der Strecke bleibt.
Auch der Unterricht ist immer wieder durchdrungen von anthroposophischer Esoterik. So werden in den Aufnahmen der Waldorfschule in Sachsen Schüler:innen starr nach der veralteten und höchst fragwürdigen Temperamenten-Lehre nach Rudolf Steiner charakterisiert und im Geschichtsunterricht zeichnet sich eine bedenkliche Vermischung von Fakten und Mythen wie dem von Atlantis statt. Dies demonstriert eine betroffene Mutter, die vom Geschichtsunterricht ihres Kindes berichtet und Ausschnitte aus den Epochenheften zeigt. Die Reporterin zeigt zudem Ausschnitte, in denen Lehrkräfte ihre Schüler:innen nach Steiners Temperamenten be- und aburteilen – da ist etwa von „phlegmatisch“, „schwierig“ oder „immer ein wenig exkarniert“ die Rede
Die Vier-Temperamentenlehre führt zu bedenklicher Kategorisierung und Stigmatisierung von Kindern durch das veraltete anthroposophische Menschenbild Steiners, betont in der Sendung auch der Pädagoge und Waldorfkritiker André Sebastiani: Durch die waldorftypische, esoterische Einteilung der Schüler in die vier klassischen Temperamente (Choleriker, Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker) sowie die Beurteilung nach Reinkarnations- und Karmalehren würden Kinder in starre Schubladen gepresst, aus der sie oft kaum wieder herauskommen. Dies bestätigt auch Judith Lürmann, ehemalige Waldorflehrerin in Dachsberg und ZEBRA-Mitbegründerin. Statt einer zeitgemäßen, individuellen Förderung führe dieses System im Verborgenen zu einer bewussten Ausgrenzung und Beurteilung von Schülern nach spirituellen statt pädagogischen Kriterien. Dies untermauern die verdeckten Aufnahmen aus der Waldorfschule in Sachsen.
Peudowissenschaft, Lerndefizite und mangelnde Inklusion
Der Leseerwerb erfolgt gemäß der Recherchen Antonias auch nach Aussage des Lehrpersonals in Sachsen deutlich verzögert. Es stütze sich jedoch auf ineffiziente und unwissenschaftliche Methoden, wie Waldorfkritiker Sebastiani im Beitrag scharf kritisiert. Allein das Aufsagen von Gedichten und Zeugnissprüchen in einer Klasse der Mittelstufe beanspruchte dort zeitweise rund eine halbe Stunde einer regulären Geschichtsstunde. Im anschließenden Unterricht sollten die Kinder schlicht einen Text von der Tafel abschreiben, wobei schwächere Schüler:innen lediglich Lückentexte mit einzelnen Wörtern ergänzen mussten – was diesen dennoch sichtlich schwerfiel.
Offenbarte Eingeständnisse der Klassenlehrkraft vor der Kamera machten deutlich, dass zwei Mittelstufenschüler:innen massive Probleme beim Lesen und Schreiben haben und noch „ganz wenig lesen“ können. Davon kann sich auch Reporterin Antonia ein Bild machen. Die Lehrerin räumte ein, dies im Trubel der vielen Kinder „auch manchmal“ zu vergessen. Doch nicht nur bei Unterrichtsqualität und didaktischen Konzepten zeigen sich laut Sebastiani Defizite und fehlende wissenschaftliche Grundlagen, die kritisierten Mängel sind vielfältig.
Trotz vollmundiger Versprechen des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) betrifft dies auch das entscheidende Thema Inklusion, also den Umgang mit Schüler:innen mit chronischen Erkrankungen, Lernschwächen und/ oder besonderen Diagnosen. So halten auch die Aufnahmen von Undercover-Reporterin fest, dass nach eigener Aussage der Lehrkräfte in Sachen bei Förderbedarfen wie Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) jahrelang keinerlei Förderung stattfand und nun erst in der 5. Klasse auf eine LRS getestet wird. Zum Vergleich: An staatlichen Schulen erfolgt eine Überprüfung in der Regel bereits am Ende der 2. oder zu Beginn der 3. Klasse.
Sebastiani kritisiert diese Praxis scharf, da eine möglichst frühe Förderung bei LRS essenziell sei und das späte Testen hier systemimmanent erscheine. Die Schule rechtfertigte sich gegenüber dem Sender damit, dass frühe Testungen keine validen Ergebnisse brächten. Das nebulöse Zeugniswesen mit Steiner-Zeugnissprüchen und fehlenden Noten wirkt dabei nicht nur esoterisch-angehaucht, kategorisierend und intransparent, sondern geradezu wie eine Verschleierung dieser Leistungsdefizite.
Unterrichtsrealität und grobe Aufsichtspflichtverletzungen
Die verdeckten Aufnahmen aus dem Klassenzimmer in Rheinland-Pfalz zeigen ein drastisches Bild von Zuständen, die mit einem staatlichen Bildungsauftrag nicht vereinbar sind. Statt auf ausgebildete Fachkräfte setzt man auch hier auf Quereinsteiger mit fragwürdiger Qualifikation. So verfügt der im Fokus stehende Lehrer der verdeckten Aufnahmen nicht über ein adäquates Studium, sondern in erster Linie über eine Gartenbau-Ausbildung.
Ein bezeichnendes Beispiel für das pädagogische Konzept liefert eine Sequenz aus seinem Unterricht: Eigentlich stünde für die rund 30 Schülerinnen und Schüler Geschichtsunterricht auf dem Plan. Doch der Klassenlehrer, der eigentlich schwerpunktmäßig in Gartenbau ausgebildet ist, erklärt Reporterin Antonia, dass der inhaltliche Unterricht für ihn „zweitrangig“ sei – viel wichtiger sei die „entwicklungspsychologische Ebene“. Da er die Klasse für „ein bisschen auffällig“ hält, geht er mit ihr regelmäßig raus – freitags zur Unterstützung mit einem Elternteil für „Sozialspielchen“ oder schlicht zur „Langeweile“. Nach rund eineinhalb Stunden im Freien geht es schließlich zurück ins Klassenzimmer – wo der eigentliche Geschichtsunterricht an diesem Tag gerade einmal 15 Minuten umfasst.
Die Zeit im Freien gipfelt in einem unbeaufsichtigten Moment, in dem ein Schüler einen schweren Hammer durch den Garten wirft. Konfrontiert mit dieser offensichtlichen Verletzung der Aufsichtspflicht, setzt der Klassenlehrer dem Ganzen die Krone auf: „der arme Hammer“, kommentiert er. Noch gravierender zeigt sich das Versagen der Aufsichtspflicht in einer weiteren Szene, in der ein Schüler der Klasse im zweiten Obergeschoss mit einem Bein auf der Fensterbank am geöffneten Fenster steht und beinahe droht herabzustürzen, während derselbe Klassenlehrer gerade abwesend ist.
Ergänzt werden diese gravierenden Aufsichtsmängel und chaotischen Zustände an der Waldorfschule in Rheinland-Pfalz durch organisatorische und pädagogische Defizite, bei denen eine überforderte Lehrerin etwa eingesteht, kurz vor den Zeugnissen noch völlig ahnungslos zu sein, was eigentlich darin stehen soll, und keinerlei Notizen zum Leistungsstand der Schüler:innen vorgenommen habe. Eine weitere Szene aus der Schule zeigt, wie eine Klasse vergeblich auf ihre nicht erschienene Lehrerin wartet, deren Verbleib auch der Schule gänzlich unbekannt ist.
Abschottung nach außen und Einschüchterung von Kritiker:innen
Lürmann, Ex-Waldorflehrerin der kürzlich geschlossenen Waldorfschule Dachsberg und ZEBRA-Mitbegründerin, sieht in dem Waldorf-Klassenlehrerprinzip – nach welchem ein Klassenlehrer eine gewichtige Stellung einnimmt und für acht Jahre einer Klasse zugeteilt wird – eine erhebliche Gefahr der unkontrollierten Machtfülle und Autorität der Klassenlehrer. Scharf kritisiert die Lehrerin im Wallraff-Beitrag zudem eine systemimmanente Abschottung der Waldorfschulen nach außen und ein eklatantes Defizit an externer Kontrolle. So reagierten die Schulen wiederholt in bekannter Manier auf Kritik, indem sie behaupteten, man habe diese geprüft und „kein Fehlverhalten“ feststellen können. „Man kann sich nicht selbst kontrollieren“, so Lürmann im Interview, es brauche zwingend eine externe Kontrolle. Ohne die Korrektive staatlicher Lehrpläne oder regulärer Schulbücher würden Waldorflehrer:innen darüber hinaus zur „einzigen Ressource der Wahrheit“, wodurch Schüler:innen in eine tiefgreifende Abhängigkeit gerieten.
Erschütternd und entlarvend stellen sich die Interview-Aussagen der betroffenen Eltern zum medial bereits bekannten Vorfall an der Mainzer Waldorfschule am Ende des Beitrags dar. Im Zentrum steht der schulische Umgang mit zwei an Diabetes erkrankten Schülerinnen und deren Eltern: Verschiedene überregionale Medien (Rheinpfalz, Stuttgarter Zeitung, ARD/ SWR) berichteten bereits von Ausgrenzung, Verweigerung von Nachteilsausgleich/ Notfallklärung und Ignoranz gegenüber medizinisch notwendigen Bedürfnissen anstatt der gebotenen Fürsorge und Unterstützung.
Als die Eltern schließlich nach monatelangen Versuchen einer schulinternen Klärung auf Rat externer Stellen die Missstände der Aufsichtsbehörde meldeten, reagierte die Schule mit einem harten Geschütz: Es kam zu einer fatalen Jugendamtsmeldung, die nicht nur gegen die zentralen gesetzlichen Meldevorgaben einer schulischen Verdachtsmeldung ans Jugendamt verstieß, sondern nachweislich haltlose Schwerstverdächtigungen (angebliche Sorge um „gewalttätiges Verhalten“, „erweiterten Suizid“) gegen die Familie meldete – und im Anschluss gegenüber dem Jugendamt selbst eingestehen musste, dass es dafür überhaupt keine konkreten Anhaltspunkte dafür gab, wie die betroffene Mutter betont.
Von Statistik-Verzerrungen und „Abitur-Schönfärberei“
Gleichzeitig stellt sich im Wallraff-Beitrag das System der vermeintlich exzellenten Abiturquoten als statistische Verzerrung dar. Wie Reporterin Antonia untermauert, hinkt der Leistungsstand von Waldorfschüler:innen in vielen Fällen deutlich hinter dem von staatlichen Schulen hinterher. Sie kommen allerdings sehr oft aus verhältnismäßig wohlhabenden Akademikerfamilien, erhalten somit deutlich bessere Unterstützung und viel häufiger privat organisierte Nachhilfe als Schüler:innen an staatlichen Schulen. Erst in den letzten ein bis zwei Jahren vor dem Abitur wird gezielt auf den prüfungsrelevanten Stoff umgestellt. Was hinzu kommt: Die Quoten werden zumeist durch eine harte interne Selektion erreicht, bei der leistungsschwächere Schüler:innen bereits vor der 13. Klasse gezielt zum Schulwechsel gedrängt oder mit dem schulinternen „Waldorfabschluss“ (welcher keinerlei staatlich Anerkennung besitzt) abgespeist werden, um die offizielle Statistik nicht zu belasten.
Entscheidend zu hinterfragen ist also: Wie viele der ursprünglichen Schüler:innen an einer Waldorfschule machen am Ende tatsächlich Haupt-, Realschul-, keinen oder bloß den Waldorfabschluss oder tatsächlich Abitur – und nicht wie ist der Schnitt derer, die am Ende überhaupt zur Abiturprüfung zugelassen werden? Hinzu kommt: Wie erfolgt die Abiturvorbereitung tatsächlich und wann/ wie stellen die Waldorfschüler:innen von Epochenunterricht ohne Lehrbücher mit viel Raum für alternative Fächer wie Eurythmie, Gartenbau, Handwerk und Kunst auf strikten Abitur-Drill nach dem staatlichen Lehr- und Prüfungsplan um?
In der Oberstufe kollidiert die anthroposophische Romantik folglich mit den Anforderungen des Zentralabiturs. Ehemalige Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte berichten von einer erst spät einsetzenden, engen und gezielt prüfungsorientierten Vorbereitung, nachdem jahrelang kaum Lehrbücher verwendet und zahlreiche Inhalte nur oberflächlich oder gar nicht vermittelt worden seien. Als Schattenseiten werden neben der Aussiebung vieler Schüler:innen bereits vor der Prüfung mangelnde Organisation und fehlendes Wissen in Breite und Tiefe auch bei Abitur-Absolvent:innen beschrieben.
Die betroffenen Schulen sind der Aufsichtsbehörde bekannt
Bei aller Schärfe der Enthüllung verzichtete das Redaktionsteam von Wallraff auf die namentliche Identifizierung der gefilmten Standorte. Dennoch ist die Katze längst aus dem Sack, da zahlreiche Insider:innen, Betroffene und lokale Beobachter:innen die beiden betroffenen Waldorfschulen in Sachsen und Rheinland-Pfalz anhand der Räumlichkeiten und Berichte längst erkannt und benannt haben – auch auf Social-Media-Kanälen. Wir verweisen darauf, dass die RTL-Redaktion im Vorfeld der Berichterstattung sowohl Stellungnahmen der beiden uns bekannten Waldorfschulen eingeholt als auch bei den verantwortlichen Schulaufsichtsbehörden mit Bezug auf die konkreten Vorfälle angefragt hatten.
Die Sendung schließt mit einer scharfen Forderung, die weit über Konsequenzen für die konkreten Missstände der beiden gezeigten Waldorfschulen aus den Undercover-Recherchen in Rheinland-Pfalz und Sachsen hinausreichen: Pädagoge Sebastiani weist darauf hin, dass andere europäische Länder wie Großbritannien bei ähnlich gelagerten Defiziten und Missständen wie den in der Sendung gezeigten Waldorfschulen bereits konsequent geschlossen haben. Sebastiani stellt infolgedessen die staatliche Finanzierung dieser Ersatzschulen auf Kosten der Steuerzahler grundlegend infrage und prangert die unzureichenden Kontrollen bei gleichzeitig hoher staatlicher Förderung an.
Rund 90.000 Kinder besuchen derzeit in Deutschland eine Waldorfschule, wobei das System laut RTL-Bericht mit mehr als einer halben Milliarde Euro jährlich vom Staat subventioniert wird. Auch Günter Wallraff schließt sich am Ende dem Appell an und fordert angesichts der aufgedeckten Missstände eine deutliche Verschärfung staatlicher Kontrollen, die Überprüfung von Lehrerqualifikationen, die Kopplung von Geldern an Bildungsstandards sowie ein Ende der Nutzung alternativer Pädagogik als Schutzschild für unwissenschaftlich-esoterische Lehren.
Weitere Details zur Sendung siehe https://www.rtl.de/sendungen/team-wallraff/wallraffen-undercover-an-waldorfschulen-was-passiert-in-deutschlands-klassenzimmern-id31227605.html.
